Reden 2026

Rede von Leonidas / TNYV

Hello everyone who came to this important demonstration for queer rights today. My name is Leo and I am part of the organizational and counselling team of the peer group Trans and Nonbinary Youth Vienna. We are a non-profit peer group for young trans* people by young trans* people from 14 to 26 and besides doing a monthly meetup every 3rd Sunday at WUK, we also organize workshops, excursions and also see ourselves as a group advocating for the rights of all trans people.
I am so glad that I can hold this speech for my group as Lower Austria is where I grew up in, so I know how much an event like this Baden Pride is needed here. Growing up a queer, trans kid in the midst of wine fields, hardset conservativism and the judging glances of every neighbour was often a difficult experience. I want to dedicate this speech to everyone who felt the same: Who felt ostracized by the cruel mechanisms of the countryside or anywhere else just because their queerness was something other people did not want to grasp.
Young trans people are often talked about, but not talked with enough. We speak about them in heated political debates about their bodies, reactionaries exploit their existence for their arguments, leftists, in trying to defend them, often do the same. As someone who has spoken to trans* people of all ages, one thing about them is certain: They are tired of being dehumanized, reduced to a subject matter, demonized and objectified. They also experience a peculiarly cruel side of the Austrian healthcare system: The double standard for their healthcare, for their right to exist, for their right to be respected.
I am not only talking about a ban on conversion therapy, which should have been already implemented by the way. I am also talking about the endlessly humiliating process of having to place your entire chance for happiness, satisfaction with yourself and peace of mind into a stranger’s hands.
And not just a stranger’s hands – 3 strangers’ hands. Trans people still need 3 confirmations by healthcare professionals to “prove” that hormone therapy is what they need – a ruling that leaves so much room for manipulation on the healthcare providers’ side. And trust me, I’ve seen it: Healthcare professionals who exploit their power to prevent transgender people from accessing lifesaving healthcare is tragically not uncommon.
And not just this, but every small win, every achievement of the Austrian trans* community becomes difficult, humiliating, dehumanizing. As a nonbinary person, I generally view the change that any person can change their gender marker to “diverse” now (it was only intersex people before) as positive. However, I have heard from so many accounts that the official registry offices make this incredibly difficult by rejecting medicinal documents or disrespecting the people altogether. Most trans people I know ask other trans* people for recommendations of doctors, therapists, healthcare professionals because feeling unsafe is the default. Being public, being out, becoming yourself becomes a humiliation process because the state wants it this way.
The US, the UK or countries like Ghana or Burkina Faso, who have recently passed bills and laws limiting queer visibility, life or downright criminalizing it are often spoken about in contrast to European countries. But I want to make it downright clear that reactionaries, fasciscts and those who are complicit contribute to an erasure of queer life in Austria just the same. Firstly, we need to have solidarity with all queer, and now, especially trans people across the globe. Secondly, we need to recognize that not doing anything, not actively advocating for trans and queer people here will very quickly lead to everything we’ve already been seeing.
I do not want to fearmonger, but instill hope into the community – hope that it is possible to reach better futures, and respect for trans and queer people in Austria and everywhere. From Vienna, to the smallest village in the mountains, but also globally – we are fighting one fight and that is for bodily autonomy, respect, and humanisation of queer and especially trans* bodies and lives. I believe this is possible with all my heart.


Rede von Têkoşîn

Liebe Freundinnen,
es ist schön, heute hier in Baden gemeinsam auf die Straße zu gehen.
Pride bedeutet Sichtbarkeit. Doch Sichtbarkeit ist nie nur eine Frage der Repräsentation. Sichtbarkeit ist immer auch eine Frage von Macht. Wer wird gesehen? Wer wird gehört? Wessen Leben wird als selbstverständlich anerkannt – und wessen Existenz muss immer wieder verteidigt werden?
Gerade deshalb ist es so wichtig, dass Pride nicht nur in den großen Städten stattfindet. Queeres Leben existiert überall. Auch hier. In Kleinstädten, in ländlichen Regionen, in Nachbarschaften, in Schulen, am Arbeitsplatz und in Familien.
Für viele Menschen kann eine Veranstaltung wie diese einen entscheidenden Unterschied machen. Nicht, weil sie plötzlich alle Probleme löst, sondern weil sie zeigt: Du bist nicht allein. Es gibt andere Menschen, die ähnliche Erfahrungen machen. Es gibt Gemeinschaft. Es gibt Solidarität.
Als Verein Têkoşîn arbeiten wir vor allem mit queeren Geflüchteten und Migrantinnen. Viele von uns kommen aus Ländern, in denen queere Sichtbarkeit mit erheblichen Risiken verbunden ist. Deshalb wissen wir sehr genau, dass die Rechte und Freiheiten, die wir heute in Österreich genießen, keine Selbstverständlichkeit sind.
Und genau deshalb halte ich wenig von einer Politik, die nur entweder dankbar oder nur kritisch sein will.
Ja, wir können froh sein, hier zu leben.
Wir können froh sein, dass es rechtliche Fortschritte gegeben hat. Dass Menschen für diese Rechte gekämpft haben. Dass heute vieles möglich ist, was vor wenigen Jahrzehnten noch undenkbar gewesen wäre.
Aber Dankbarkeit darf niemals bedeuten, gesellschaftliche Missstände zu übersehen.
Denn auch in Österreich erleben Menschen Rassismus. Auch in Österreich erleben trans* Personen Ausgrenzung. Auch in Österreich stehen geflüchtete Menschen vor bürokratischen und politischen Hürden. Auch hier werden Menschen aufgrund ihrer Herkunft, ihres Geschlechts, ihrer Religion, ihrer Behinderung oder ihrer sexuellen Orientierung benachteiligt.
Die Frage ist deshalb nicht, ob Österreich perfekt ist.
Die Frage ist, ob wir bereit sind, die bestehenden Verhältnisse weiter zu verbessern.
Für mich bedeutet Pride genau das.
Nicht die Behauptung, dass alles gut sei.
Aber auch nicht die Behauptung, dass alles schlecht sei.
Sondern die Überzeugung, dass eine gerechtere Gesellschaft möglich ist und dass wir Verantwortung dafür tragen, sie gemeinsam zu gestalten.
Dabei ist es wichtig, Menschen nicht auf eine einzige Identität zu reduzieren.
Niemand ist ausschließlich queer.
Niemand ist ausschließlich Migrantin.
Niemand ist ausschließlich trans oder ausschließlich behindert.
Menschen leben an den Schnittstellen unterschiedlicher Erfahrungen und Realitäten. Wer über queere Politik spricht, muss deshalb auch über soziale Ungleichheit, über Rassismus, über Flucht, über Zugang zu Bildung, Wohnen und Gesundheit sprechen.
Intersektionalität ist kein Schlagwort. Sie beschreibt die Realität vieler Menschen.
Und genau deshalb brauchen wir Bewegungen, die nicht nur für einzelne Gruppen sprechen, sondern Solidarität über Unterschiede hinweg organisieren.
Pride war nie nur eine Feier.
Pride war immer auch eine politische Praxis der Sichtbarkeit.
Eine Erinnerung daran, dass gesellschaftlicher Fortschritt nicht von selbst entsteht, sondern erkämpft werden muss.
Deshalb freue ich mich heute besonders, dass wir hier in Baden zusammengekommen sind.
Denn Sichtbarkeit darf keine Frage der Postleitzahl sein.
Vielen Dank.


Rede von Lily von der Baden Pride

Hallo allerseits, danke, dass ihr in dieser Hitze gekommen seid und uns helft, heuer zum dritten Mal in Baden laut zu sein. Besonders willkommen heißen möchte ich aber auch diejenigen unter euch, für die das heuer die erste Baden Pride ist. Wir freuen uns sehr, dass ihr euch entschlossen habt, uns zu unterstützen und mit uns für die Sichtbarkeit von queeren Menschen in Baden und Umgebung einzustehen. Ich denke, heute sieht man uns klar und deutlich! Wie ihr vorher im Park gesehen habt, sind wir heuer auch groß genug für eine Gegendemo, das ist ja fast eine Ehre./Wir haben heuer auch eine Gegendemo angemeldet bekommen, aber die dürften sich nicht einmal her getraut haben./Alternative?
Wir möchten gemeinsam ein klares Zeichen gegen Diskriminierung setzen. Ich weiß nicht, wem unter euch das klar bewusst ist, aber in Österreich gibt es immer noch keinen deckenden Gesetzesrahmen gegen Diskriminierung aufgrund von sexueller Orientierung. Während wir gegen Diskriminierung aufgrund von Geschlechtsidentität dank hartnäckiger feministischer Arbeit immerhin Gesetze haben, ist es außerhalb des Arbeitsumfeldes immer noch legal, Menschen wegen ihrer Sexualität zu diskriminieren. Komplett abgesehen davon, dass gute Gesetzgebung die Probleme nicht beseitigt-sexistische und transphobe Idioten haben wir ja immer noch-ist es also schlicht und einfach eine Frechheit, dass es nicht unter Strafverfolgung steht, wenn jemand zum Beispiel aufgrund deren Sexualität nicht in ein Restaurant reingelassen wird oder etwas nicht verkauft bekommt.
Deswegen fordern wir: Unangreifbaren Diskriminierungsschutz für alle queeren Identitäten und sexuellen Orientierungen!
An der Stelle möchte ich auch kurz auf die Gleichbehandlungsanwaltschaft aufmerksam machen. Die Leute dort gehen mit allen Mitteln, die wir bis jetzt erkämpft haben, gegen Diskriminierung vor und sind eine wichtige Meldestelle. Wir haben mehr Infos darüber auch auf unserer Webseite.
Ich glaube, unser wichtigstes Werkzeug in diesen Zeiten ist Wissen. Nur wenn wir über Probleme wie diese Gesetzeslücke Bescheid wissen, können wir uns dagegen stark machen. Nur wenn wir wissen, wohin wir uns wenden können, um Diskriminierungsfälle zu melden, können wir effektiv dagegen vorgehen.
Aus diesem Grund ist uns auch bessere Sexualpädagogik an Schulen ein wichtiges Anliegen, nachdem die FPÖ da momentan dagegen schießt: Nur wenn man über die Themen Geschlecht und Sexualität gut informiert ist, kann man sich selbst und seinen Körper ganz verstehen und fällt nicht auf Falschinformationen und Propaganda hinein. Außerdem ist über verschiedene Identitäten Bescheid zu wissen der erste Schritt zu Akzeptanz und einem verständnisvollen Zusammenleben. Nur so können wir irgendwann aufhören, “die Anderen” zu sein und in allen Augen zum Normal in Österreich gehören.
Das Gute daran ist: Wir können alle unseren Teil tun, um wichtiges Wissen besser zugänglich zu machen. Deswegen ist mein Appell heute: Redet mit euren Freunden und Familie über queere Themen! Gebt Informationen und Ressourcen, die ihr kennt, weiter! Erzählt von unserer Pride! Wenn alle von uns eine Person zum Kommen motivieren, sind wir nächstes Jahr schon doppelt so stark. Danke!


Rede von der SPÖ Baden

Hallo Baden! Hallo zusammen!
Es ist wunderschön, heute hier bei euch zu stehen. Wenn ich mich hier so umsehe, sehe ich so viel Farbe, so viel Lächeln, so viel Liebe.
Und wisst ihr, was das Schönste an einer Pride in einer Stadt wie Baden ist? Diese spürbare Nähe. Hier schaut man sich in die Augen. Hier feiert die Nachbarschaft, hier feiert die Community gemeinsam mit Freunden, Familien und Verbündeten.
Als ich heute hergefahren bin, musste ich an meine eigene Jugend denken. An die Zeit, in der man sich selbst sucht und sich fragt: „Passe ich hier rein? Bin ich richtig, so wie ich bin?“
Genau deshalb stehen wir heute hier. Um jedem jungen Menschen zuzurufen: Ja, du bist richtig! Du bist genau gut so, wie du bist!
Als LGBTIQ-Sprecher der SPÖ im Bundesrat darf ich unsere Stimme im Parlament vertreten. Das ist eine große Ehre. Dort sehe ich die Gesetzestexte – aber hier sehe ich die Menschen, um die es geht.
Und wir dürfen ehrlich sein: Die Pride war nie nur eine Party. Sie ist und bleibt eine Demonstration. Ein politischer Kampf.
Es macht mich wütend, wenn ich sehe, dass im Jahr 2026 immer noch Hassreden geschwungen werden. Es bricht mir das Herz, wenn Jugendliche auf dem Schulhof beschimpft werden.
Und es macht mich kämpferisch, wenn versucht wird, unsere hart erkämpften Rechte wieder zurückzudrehen.
Deshalb sage ich in aller Deutlichkeit: Unsere Liebe ist kein Verhandlungsobjekt! Unsere Identität ist keine Debatte!
Wir sind hier, wir bleiben hier, und wir gehen keinen Schritt mehr zurück!
Aber genau in diesem Kampf liegt auch unsere größte Stärke: die Verbundenheit. Schaut euch heute um. Wir sind nicht alleine. Hier stehen Eltern, Freunde, Kolleginnen, Nachbarn.
Ein offenes, buntes Baden ist ein besseres Baden für alle Menschen.
Es geht um Respekt. Es geht um die Freiheit, angstfrei leben und lieben zu können. Das verbindet uns – über Parteigrenzen, Altersschichten und Herkünfte hinweg.
Liebe Menschen, liebe Community! Der Weg ist noch lang. Im Bundesrat werde ich weiter für euch laufen, verhandeln und laut sein – für Schutz vor Diskriminierung, für echte Gleichstellung und für ein modernes Österreich.
Aber heute? Heute tanken wir Kraft. Heute zeigen wir Baden, wie schön, wie laut und wie bunt das Leben ist.
Lasst uns diesen Tag mit Stolz im Herzen feiern. Geht erhobenen Hauptes durch diese Stadt – nicht nur heute, sondern jeden einzelnen Tag im Jahr.
Vielen Dank, dass es euch gibt. Habt eine wundervolle Pride! Danke Baden!